Liebe Leser und Interessenten des stilsicheren Auftretens,

Kommunikation macht Spaß, aber es ergeben sich oft Missverständnisse weil sie falsch oder nicht komplett eingesetzt wird.

Meine Frage an Sie: Haben Sie bisher das Gefühl gehabt, dass Ihr Umfeld, Ihre Mitarbeiter oder Ihre Vorgesetzten Sie nicht richtig verstehen?

Ich kenne das Gefühl nur zu gut, da ich selbst früher immer zu schnell geredet, zu schnell weitergedacht und meinem Gegenüber dann oft nicht richtig zugehört habe.

Kennen Sie die Grundregeln für gutes Zuhören?

Regel Nr. 1 „Ausreden lassen und Filter abschalten!“

Lassen Sie Ihr Gegenüber immer zuerst komplett ausreden und reden Sie nicht dazwischen. Das ist die oft die schwierigste Kunst beim Zuhören, weil uns oft schon die vermeintliche Antwort als „Ratschlag“ oder „Tipp“ auf der Zunge liegt.

Filter sind häufig für Missverständnisse verantwortlich, denn Filter die wir oft unbewusst einsetzen, resultieren aus unseren Lebenserfahrungen, unseren Glaubenssätzen und sind auch Teil unserer Erziehung.

Regel Nr. 2 „Geben Sie eine wertschätzende Rückmeldung“

Geben Sie Ihrem Gegenüber durch aktives Zuhören eine Rückmeldung. Fassen Sie das Gesagte Ihres Gesprächspartners noch einmal in eigenen Worten zusammen, um sicher zu gehen, dass Sie den Inhalt auf der Sachebene auch komplett verstanden haben.

Rückmeldungen sind als Zusammenfassung auf der Sachebene, durch paraphrasieren der eigenen Worte oder durch Ich-Botschaften auf der Gefühlsebene möglich, z.B. „Ich nehme wahr, dass…“ Rückmeldungen sollten immer kurz und sachlich ausfallen, um den Sprecher nicht zu verwirren. Verwenden Sie bei der Rückmeldung immer positive Worte.

Regel Nr. 3 „Fragen Sie bei einem vermeintlichen Missverständnis besser nach“

Das wir das, was unser Gegenüber gesagt hat, nicht sofort verstehen, liegt nicht daran, dass wir schlecht zuhören oder der andere undeutlich spricht. Oft leben beide Gesprächspartner auf unterschiedlichen „Kommunikationsinseln“, sodass die Rückkopplung nicht immer hundertprozentig funktioniert. 🙂

Fragen Sie bei Bedarf einfach konkret nach, um sicher zu stellen, dass Sie Ihr Gegenüber verstehen haben. Nutzen Sie dabei als Zeichen Ihrer Wertschätzung den Namen Ihres Gesprächspartners. Ich nutze dazu gerne folgenden Satz: „Wenn ich Sie richtig verstanden habe, Frau Meier, geht es Ihnen um…“ Dadurch kann der Sprecher seine Botschaft verfeinern und Ihnen wird oft erst durch wertschätzendes Nachfragen deutlich, was er oder sie genau meint.

Nachfragen funktioniert am besten, ohne dass wir unseren Gesprächspartner ins Wort fallen und ohne seine Aussage schon im inneren Filtersystem bewerten.

Regel Nr. 4 „Achten Sie auf versteckte Zeichen“

Hören Sie genau hin und versuchen Sie herauszufinden, was Ihr Gegenüber zwischen den Zeilen sagt. Achten Sie auf die Bedeutung hinter den Worten in Bezug auf die Sachebene, die Beziehungsebene, die Appelebene und die Selbstoffenbahrungsebene (nach dem Vier-Ohren-Modell von Schultz von Thun).

 

 

 

 

 

 

Regel Nr. 5: „Geduld ist Mutter der Porzellankiste“

Fragen Sie vor einem Gespräch immer: „Bin ich wirklich bereit, meinem Gegenüber zuzuhören? Habe ich auch wirklich ausreichend Zeit für ein Gespräch und bin ich mit dem Herzen dabei?“

Nehmen Sie sich für Gespräche immer ausreichend Zeit und hören Sie weder mit nur einem Ohr hin, noch lassen Sie sich bitte zwischendurch vom Smartphone ablenken. Bleiben Sie geduldig und gewähren Sie Ihrem Gesprächspartner genügend Zeit zum Reden. Einige Menschen benötigen etwas mehr Zeit, um sich zu öffnen, um Dinge klar anzusprechen oder um „komplizierte, schwierige Dinge“ in Worte zu fassen.

Lassen Sie Ihr Gegenüber auch genügend Zeit zum Nachdenken, wenn Sie selbst eine Frage gestellt haben. Denken Sie daran, dass jeder Mensch seine persönliche Reaktionszeit hat.

Regel Nr. 6 „Achten Sie auf die Körpersprache“

Beobachten Sie auch die Körpersprache bei Ihrem Gegenüber. Achten Sie auf versteckte Zeichen in der Körpersprache, denn Körpersprache ist einfach ehrlicher als das gesprochene Wort.

Fragen Sie sich dazu:

  • Was sagt sein Blickkontakt und was sagen die Augen?
  • Lächelt er oder hat er den Mund eher geschlossen?
  • Sind die Arme und Hände offen und präsent oder hat er möglicherweise etwas zu verbergen, weil er die Hände versteckt?

Regel Nr. 7 „Zeigen Sie absolute Präsenz als Zeichen Ihrer Wertschätzung“

Hören Sie engagiert zu, indem Sie hundertprozentig präsent sind, Blickkontakt halten und sich auf Ihr Gegenüber konzentrieren. Geben Sie Ihrem Gegenüber durch ein Nicken, durch Grundlaute wie „mh“ oder „ok“ einen Hinweis, dass Sie auch wirklich gerne zuhören. Lassen Sie sich auf keinen Fall ablenken oder verwirren Ihren Gesprächspartner durch störende Gesten Ihrerseits.

Empathie ist ein wichtiger Teil, um absolute und absichtslose Präsenz beim Zuhören zu zeigen. Empathie heißt auch Sympathiebekundung zum achtsamen Meinungsaustausch, selbst wenn Sie unterschiedlicher Meinung sind.

PS: Gute und stilsichere Kommunikation ist ein Teil guter Umgangsformen.  Möchten Sie parkettsicher auftreten und erfahren, wie Sie auch einen Fauxpas mit Humor meistern? Wenn Sie Ihre Ausstrahlung, Selbstsicherheit und Kompetenz positiv verändern möchten, dann sichern Sie sich gleich Ihren Platz beim nächsten Knigge-Basis-Seminar in München am Sonntag, 23. Juni 2019.