Tipps für die Job-Garderobe im Sommer

Die Füße stecken in Flip-Flops und die käsigen Beine in kurzen Hosen: Wenn es draußen warm wird, ist jeglicher Dresscode vergessen. Aber was ist im Büro eigentlich erlaubt?

Keine Flip-Flops am Arbeitsplatz: Wer solche Schuhe auswählt, erweckt beim Chef den Eindruck, sich keine Mühe mit seiner Garderobe zu geben.

Foto: Mascha Brichta, dpa (Archiv)

Flip-Flops, Kleidchen, Sonnenbrille: Diese Sachen tragen die meisten im Hochsommer gerne. Doch was in der Freizeit erlaubt ist, geht im Büro nicht immer. Knigge- und Modeexperten sagen, was im Sommer im Büro akzeptiert ist und was nicht.

Knapp bedeckt – Kurze Hose beim Mann…?

Es ist heiß und es wäre praktisch: Mit kurzer Hose zur Arbeit zu kommen, ist bei hohen Temperaturen angenehm. „Das geht leider gar nicht“, sagt Kniggeberaterin Karin Felicitas Hallinger aus Landsberg. Kurze Hosen ließen darauf schließen, dass der Mitarbeiter kein Benehmen habe. Da denke der Chef: Wie zieht der Mitarbeiter sich erst an, wenn wir zum Kunden müssen?

So macht man es besser: An der langen Hose kommt der Angestellte nicht vorbei. Statt zum warmen Anzug aus Baumwolle sollte man im Sommer zu einer feinen Merinowolle greifen, rät Stilautor Bernhard Roetzel aus Berlin. „Sie ist um einiges leichter als Baumwolle. Die Alternative ist Wolle im Mix mit Kaschmir oder auch Mohair.“ Zu dünn dürften die Stoffe aber auch nicht sein – sonst knittern sie. Das Material sollte eine Feinheit von maximal „Super 130“ haben. Die Zahl auf dem Etikett bezeichnet die Feinheit des versponnenen Garns.

Knapp bedeckt – …und Minirock und Spaghetti-Top bei der Frau?

„Wie viel Haut man im Büro zeigen darf, ist ein heikles Thema“, sagt Janine Katharina Pötsch, Imageberaterin und Kniggetrainerin aus München. Wer kompetent wirken wolle, sollte nicht zu viel Haut zeigen. Trägt Frau einen zu kurzen Rock, könnte der Chef laut Pötsch zum Beispiel denken: „Das ist aber ein ‚leichtes Mädchen.'“ Spaghetti-Tops und bauchfreie Oberteile sind absolut tabu. Die Angestellte sollte ihre Kleidung immer auch an die Branche anpassen, in der sie arbeitet: Als Steuer- oder Bankberaterin sind die Vorschriften strenger als zum Beispiel im IT-Bereich.

So macht man es besser: Pötsch rät: Röcke sollten höchstens eine Hand breit über dem Knie enden, am besten noch das Knie umspielen.

Bunt bemalt – Tattoos im Sommer zeigen?

Wenn die Kleidung knapper wird, kommen manchmal auch Überraschungen zum Vorschein: ein Herz auf dem Oberarm zum Beispiel oder ein Delphin am Knie. Aber ist es okay, seine Tattoos im Büro zu zeigen? „Große Tattoos sollte man auf jeden Fall mit der Kleidung abdecken“, sagt Imageberaterin Pötsch. Sie unter einer dicken Make-up-Schicht zu verstecken, sei hingegen keine gute Idee: „Wenn es so warm ist, verläuft das Make-up schnell und ruiniert die Kleidung“, sagt Pötsch. Aber auch bei diesem Thema sollte der Mitarbeiter immer daran denken, in welcher Branche er arbeitet und wie konservativ sein Chef ist. Bei einem sehr lockeren Chef könne es durchaus in Odrnung sein, ein (kleines) Tattoo offen zu zeigen.

So macht man es besser: Lieber das leichte, aber eben langärmelige Oberteil wählen, welches das Tattoo überdeckt. So bleibt der Angestellte auf der sicheren Seite.

Keine Schweißfüße – Schlappen statt Halbschuhe?

Man schwitzt nicht und bequem ist es auch: Schlappen oder Flip-Flops an den Füßen. Doch: „Flip-Flops sind im Büro absolut verboten“, sagt Expertin Karin Felicitas Hallinger. Sie sehen zu informell aus. Außerdem nervten die schnalzenden Geräusche der Schuhe Kollegen und den Vorgesetzten. Beim Chef könne dabei der Gedanke aufkommen: Der Mitarbeiter gibt sich keine Mühe mit seiner Garderobe.

So macht man es besser: Männer können statt geschlossener Schuhe zum Anzug auch Slipper, Loafers, Bootsschuhe und Mokassins tragen, sagt Personal Shopperin Sonja Grau aus Ulm. Das gehe sogar barfuß. Aber selbst dagegen hat Roetzel etwas: „In konservativen Branchen würde ich das auch nicht empfehlen. Das ist nur wunderbar, wenn sie Chinos und T-Shirt anhaben können.“ Um im Anzugschuh nicht zu schwitzen, empfiehlt er dünne Baumwollstrümpfe aus mercerisierter Baumwolle. Frauen greifen am besten zu Pumps oder schicken Sandalen.

Nach dem Feierabend ins Freibad – Bikini statt BH?

Wenn es abends nach der Arbeit noch schnell ins Freibad gehen soll, zieht manche den Bikini gleich morgens unter das Bürooutfit. Die bunt gemusterten Träger fallen auf. „Bikiniträger gehen im Büro gar nicht“, sagt Hallinger. Da denke der Chef: Die wartet nur drauf, dass sie an den See kann.

Wenn überhaupt der Bikini im Büro getragen wird, sollte es ein unauffälliges, einfarbiges Modell sein, rät Grau. Die Farbe dürfe sich zudem nicht von der Farbe des Outfits abheben – schaut der Träger dann heraus, werde er als BH-Träger wahrgenommen. Der Bikini sollte Seitenträger haben und nicht im Nacken schließen.

Grüße aus St. Tropez – Weiße Kostüme und Anzüge?

Irgendwo zwischen amerikanischem Gangster und Lebemann auf Mallorca lässt sich ein komplett weißer Aufzug verorten. „Weiße Anzüge und Kostüme sind leider im Sommer im Büro auch nicht erlaubt“, so Hallinger. Es sehe zu stark nach einem Urlaubsoutfit aus, und zudem scheine häufig die Unterwäsche durch. Auch aus Sicht der Modeexperten ist ein Outfit ganz in Weiß in allen Branchen tabu.

So macht man es besser: Erlaubt sind Anzüge oder Kostüme in helleren Farben. Bei wichtigen Meetings sind dunkle Farben jedoch auch im Sommer Pflicht. dpa, cch

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