Kennen Sie die wichtigsten Weinregeln und wissen Sie, woran man guten Wein erkennt? Als Weinliebhaberin habe ich natürlich schon den ein oder anderen Weinkurs besucht. Und natürlich auch schon das „ein oder andere“ Glas von diesem edlen, wohlschmeckenden und anregenden Getränk zu mir genommen. Schließlich möchte ich meinen Kunden in meinen Knigge-Seminaren auch wertvolle Tipps zum Thema Wein mit auf dem Weg geben.

Damit auch Sie mehr zum Thema Wein und zu den wichtigsten Weinregeln, erfahren, habe ich ein tolles Interview mit dem Inhaber der Eurowine-Education in München, Andrea Vestri geführt. Die Eurowine Education ist überings eine zertifizierte Sommerlierschule in München.

Weinschule 54Herr Vestri, wie sind Sie zu Ihrer Berufung gekommen? Was ist das Schöne an Ihrer Arbeit mit Weinen?

Ich habe 13 Jahre lang ein französisches Restaurant in München geführt. Meine Begeisterung für Wein hat sich dort bereits gebildet. Ausgebaut habe ich diese Begeisterung dann über meine damaligen Geschäftspartner und den Sommelier Jean Jacques Marcel. Heute ist er mein Kollege und auch Dozent an der Sommerlier-Schule.

In den zurückliegenden Jahren haben wir im Restaurant zusammen unzählige Weinseminare veranstaltet. Dabei ging es um alle Weingebiete und Rebsorten – nicht nur um Frankreich oder Italien. Und das intensivierte in mir das Bedürfnis, so viel wie möglich über Wein kennenzulernen.

Schlüsselerlebnis war, als ich für drei Monate bei einem Winzer in Bordeaux gearbeitet habe. Ab diesem Zeitpunkt war der Wein nicht nur das, was in der Flasche ist – sondern ich habe angefangen ihn als Gesamtheit zu begreifen: Von der Arbeit des Winzers, über die Kellertechniken, den Weinberg, und alles was dazu gehört, um guten Wein herzustellen.

Anmerkung Knigge-Expertin: Wow, Ihre Vita ist echt spannend. In Bordeaux war ich überings auch einmal bei einer Weinverköstigung im Rahmen meines Französischkurses. Ich bin ja ein bekennender Frankreich-Fan.

Warum gehört eine entsprechende Weinkenntnis auch zu einem guten Allgemeinwissen?

Wein wird immer wichtiger im täglichen Umgang und daher wird es auch wichtiger, sich darüber unterhalten zu können. Bei vielen Essen wird sehr oft über Weine allgemein, oder über den, den man gerade verköstigt, geredet. Ein berühmter Bankmanager, der auch die Ausbildung bei uns absolviert hat, sagte mir vor kurzem: “Andrea, vor zwanzig Jahren war in den höheren Managerkreisen das Hauptargument das Golfen, heute unterhält man sich über Wein“!. Auf diesem Prinzip basiert die Ausbildung in unserer Schule: “Über Wein reden können“!

Mir fällt immer wieder auf, dass Menschen im Supermarkt doch eher zu günstigen Weinen greifen und im Restaurant dafür mehr bezahlen. Welche Empfehlung haben Sie für meine Leser parat, um einen guten Einstiegswein für zu Hause zu wählen?

Es stimmt. Die meisten kümmern sich im Restaurant, Cafe, der Pizzeria oder im Wirtshaus nicht groß darum, für ein 0,2 Glas zwischen 4,50 und 10,00 € zu bezahlen. Vor allem wenn man bedenkt, dass der durchschnittliche Preis pro Flasche in Deutschland bei nur € 2,80 liegt!!! Unglaublich aber wahr.

Wir empfehlen Weine ab € 5,00 – 7,00, wenn sie aus Europa kommen. Weine aus Übersee eher ab € 8,00 -10,00. Dadurch würdigt man die Arbeit und Risiken des Winzers. Das ist auch ein wichtiger Faktor unserer Schule: Wir wollen die Teilnehmer sensibilisieren für die Produktion, dessen Risiken und dieTransportkosten einer Flasche Wein.

Die wichtigsten WeinregelnSie führen die Wein & Sommelier-Schule “European Wine Education“ in München. Was unterscheidet Ihre Schule von anderen? Welchen besonderen Nutzen haben Teilnehmer, die zu Ihnen ins Seminar kommen?

Im Grunde genommen sind alle Schulen mehr oder weniger gleich. Bei manchen ist die Ausbildung ein Fulltime Job, bei uns ist sie berufsbegleitend und kostet weniger. Wir kennen aber trotzdem kein Pardon, denn die Ausbildung ist anspruchsvoll und fordert Einsatz und Durchhaltevermögen.

Unsere Schule ist die Einzige, die man ohne Vorkenntnisse oder Gastronomieerfahrung besuchen darf.

Mit unserer ISO-zertifizierten Sommelier-Ausbildung können sich die Absolventen in der gehobenen Gastronomie und im Handel bewerben. Die Karte ihrer eigenen Gastronomie mit ihrem Weinwissen verbessern, die eigenen Gäste besser beraten, oder sich im Wein-Umfeld selbständig machen und und und… und das natürlich überall auf der Welt. Selbstverständlich ist eine Ausbildung immer von Vorteil, auch wenn man nicht unbedingt in der gehobenen Gastronomie arbeitet, oder arbeiten möchte. Sie sichert den AbsolventInnen bessere Karrierechancen.

Und wie schon erwähnt, danach können alle über Wein reden.

Anmerkung Knigge-Expertin: Weinkenntnisse sind im Business wirklich wichtig, gerade wenn es um die internationale Karriereleiter geht.

Was sind Ihrer Meinung nach die besten Weinanbaugebiete in Europa?

„Probiert und verköstigt alle Weine der Welt! Es wird sich garantiert lohnen!“

Die Weinwelt ist unglaublich groß – Böden, Klima, Jahrgänge, Rebsorten, kulturelle Traditionen, neue Trends, die Handschriften der Winzer und vieles mehr, machen das Thema Wein zu einem „Fass ohne Boden“. Um ein guter Sommelier zu sein, ist es sehr ratsam, gute Kenntnisse über alle Weinbaugebiete Europas und Übersee zu besitzen.

Einige unserer Schüler waren nach oder während der Ausbildung zum Arbeiten auf einem Weingut. Dazu raten wir allen, die ernsthaft in der Weinwelt Fuß fassen wollen und unterstützen auch bei der Vermittlung. Auch die vielfältigen öffentlichen Verkostungen sind eine gute Möglichkeit, sich fortzubilden und die Sinne weiter zu trainieren.

Anmerkung Knigge-Expertin: Das ist wirklich klasse und ist sicherlich auch einzigartig für Weinschulen. Das möchte ich auch noch gerne machen, ein paar Tage bei einem Winzer vor Ort dessen Arbeit näher kennenlernen.

Inzwischen hat auch der deutsche Wein international einen sehr guten Ruf – Welche Weinsorten aus Deutschland sollten wir unbedingt kennen oder ausprobiert haben?

60% der besten Rieslinge stammen aus Deutschland. Typische deutsche Rebsorten wie: Silvaner, Scheurebe, alle Burgundersorten, etc. zählen heutzutage zu den besten Weine überhaupt. Ich als Toskaner, kann mich für deutsche Weine immer wieder begeistern – sowohl Weiße als auch Rote.

Was war Ihr schönstes Wein-Genuss-Erlebnis?

Schwierig zu beantworten. Wenn man sich ein wenig auskennt, dann greift man sehr selten zu einem Nicht-Genuss.

Welches Grundwissen zum Wein sollte jeder haben?

Man sollte eine gute (Wissens-)Grundlage haben. Die Leute sollten schon wissen, worüber sie reden. Aber am wichtigsten ist die Begeisterung. Wenn man sich für das Thema begeistert, dann fällt es allen leichter, sich ein Grundwissen anzueignen und dieses auszubauen.

Weinschule 68Ich bin ja selbst Knigge-Trainerin und habe selbst schon ein Wein-Seminar besucht. Verraten Sie meinen Lesern noch ein paar Tipps zum Thema Wein-Knigge im Restaurant. Welche geheimen Regeln sollten nicht zum Fauxpas werden?

Die wichtigste Regel, die wir beibringen, ist Bescheidenheit.

Der Laie, der sich gar nicht oder wenig auskennt, sollte sich den Wein vom Sommelier oder Kellner empfehlen lassen. Nicht herum prahlen sonst riskiert man, sich zu blamieren.

Dann das Weinglas am Stiel halten und nicht am Kelch. Die leere Weißwein Flasche niemals kopfunter in den Eiskübel zurückstellen. Das ist so das Wichtigste.

Anmerkung Knigge-Expertin: Das sage ich meinen Kunden auch immer. Dieser kleine Fauxpas passiert leider sehr vielen Menschen.

Sie sind ja Italiener – Haben Sie beim Wein-Genuss auch Unterschiede zwischen Italienern und und Deutschen feststellen können?

Ja, und zwar, dass die Deutschen immer mehr echte Genießer und Kenner werden.

Als Gastronom habe ich oft festgestellt, dass viele deutsche Gäste mit fremden Ess- und Trinkkulturen sehr offen umgehen – besonders was Italien und Frankreich angeht. Dafür sind sie noch eher skeptisch was ihre eigene Weinkultur betrifft. Bei Italienern hört man inzwischen immer öfter, dass die Deutschen heute auch gute Weine machen.