Warum ist Souveränität für unser Image so wichtig?

Warum ist Souveränität für unser Image so wichtig?

Souveränität ist einer der Grundpfeiler in der Persönlichkeit. Doch was heiß Souveränität überhaupt und was hat das mit unserem Image zu tun? Ich habe dafür Deutschlands Experten für Souveränität, Herrn Stéphane Etrillard – einem deutsch-französischen Intellektuellen und bekannten langjährigen Managementtrainer interviewt.

_MG_9849Herr Etrillard, bitte stellen Sie sich für meine Leser, die Sie vielleicht noch nicht kennen, kurz vor.

Inzwischen arbeite ich tatsächlich schon mehr als zwanzig Jahre als Trainer und Coach. Meine persönliche Entwicklung spiegelt letztlich genau das wieder, warum ich meinen Beruf auch heute noch mit Freude und Leidenschaft praktiziere: Man beginnt etwas völlig Neues, sammelt mit der Zeit immer mehr Erfahrung und wird im besten Sinne des Wortes Professionell. Doch das ist kein Grund, überheblich zu werden, denn inzwischen hat sich schon vieles wieder geändert und man wird sich wieder neu mit unbekannten Dingen befassen. Und genau das – sich ständig neu auf Veränderungen, auf neue Situationen und auch auf andere Menschen einzulassen – macht meinen Beruf spannend. Mir gefällt das sehr.

Wie beschreiben Sie Souveränität? Oder wann sind wir souverän und in welchen Situationen eher nicht?

Persönliche Souveränität ist zu großen Teilen eine Frage der inneren Einstellung. Und genau die spiegelt sich in der Außenwelt wider. Deshalb lässt sich Souveränität auch schlecht vorgaukeln. Wir spüren sofort, ob ein Mensch Souveränität ausstrahlt oder nur versucht, sie zu imitieren. Souveränität bedeutet für mich, sich mit der eigenen Persönlichkeit zu befassen. Denn wer sich selbst nicht kennt, dem wird es schwerfallen, souverän – also selbstbestimmt und eigenverantwortlich – zu entscheiden und zu handeln. Und davon hängt es ab, wie wir nach außen hin auftreten – und übrigens auch, ob wir eine Zufriedenheit mit uns selbst und unserer Lebensführung erreichen. Das zeigt sich oft in ganz konkreten Situationen: Denn vielfach fehlt es uns gerade in heiklen Situationen an Souveränität, wenn wir beispielsweise unter Druck stehen, wenn Konflikte mit anderen Menschen auftreten oder wenn es darum geht, ein Publikum von etwas zu überzeugen. Ich bin mir dabei sicher, dass in allen Menschen mehr Potenzial steckt, als sie nutzen.

Anmerkung Image-Trainerin: Ein sehr spannender Ansatz, ich glaube, am Thema Souveränität sollte jeder arbeiten.

Meines Erachtens hat das Thema Souveränität sehr viel mit dem Thema Kommunikation und dem Thema Image zu tun. Warum ist im Business Souveränität so wichtig, um als Nachwuchsführungskraft oder als Führungskraft zu punkten?

Ja, unsere Kommunikation zeigt, wer wir sind. Unsere Art der Kommunikation wird sogar mit unserer Intelligenz gleichgesetzt. Unsere Sprache trägt ganz erheblich dazu bei, ob wir überzeugend, kompetent und glaubwürdig erscheinen. Im Beruf – und für die ganze Karriere – ist das ein entscheidender Faktor. Gerade Führungsarbeit findet ja nicht im stillen Kämmerlein statt, sie besteht vielmehr aus dem direkten Gespräch mit anderen Menschen. Dabei geht es darum, Beweggründe zu verstehen und in den unterschiedlichsten Situationen die richtigen Worte zu finden. Führungsarbeit ist zu großen Teilen nichts anders als Kommunikation. Ein Manko, das vielen Führungskräften zu schaffen macht, ist nicht etwa eine mangelnde fachliche Qualifikation. Vielmehr ist es ein ungeschicktes persönliches Auftreten, das spätestens in schwierigeren zwischenmenschlichen Situationen zur Belastung wird. Wem die nötige Souveränität im Kontakt und im Dialog mit Kunden, Kollegen und Mitarbeitern fehlt, wird an diesen Stellen kaum eine positive Wirkung erzielen. Die Folgen sind geringe Akzeptanz, fehlendes Durchsetzungsvermögen und wenig Anerkennung bis hin zur Unbeliebtheit

Sie sind Franzose, haben Sie den Eindruck dass wir Deutschen uns beim Thema Souveränität von unseren Nachbarn unterscheiden? Wer ist souveräner?

In Frankreich gibt es eine langjährige Diskussions- und Debattenkultur. Vielleicht fällt es Franzosen deshalb etwas leichter, die eigene Position mit Argumenten zu untermauern. Und ich habe den Eindruck, dass Franzosen weniger Angst haben, mit ihren Ansichten auch mal anzuecken. Souveränität ist für mich jedoch vor allem eine sehr individuelle Frage. Es geht darum, wie jeder Einzelne – woher auch immer er kommen mag – souveräner auftreten kann, um die eigenen Ziele besser erreichen zu können.

Sind Männer oder Frauen souveräner und in welcher Hinsicht?

Wenn über die Kommunikation von Frau und Mann geschrieben wird, werden regelmäßig Klischees bedient. Männer gelten als sachlich, dabei geben sie emotional wenig von sich preis, um bloß keine Schwächen zu zeigen. Deshalb stellen sie wenig Fragen und hören schlecht zu, so heißt es. Und Frauen reden zu viel, sind gefühlsbetont und einfühlsam, sie haben ein offenes Ohr, sind verständnisvoll und eher an den zwischenmenschlichen Aspekten eines Gespräches interessiert als an der Sache. Wer den beruflichen Erfolg will, braucht – vor allem in der Führungsetage – eine sach- und zielorientierte Kommunikation und muss den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Wertschätzung begegnen und insbesondere in heiklen Situationen Einfühlungsvermögen und ein emotional intelligentes Handeln an den Tag legen. Bleibt man beim Klischee von männlicher und weiblicher Kommunikation, ist ein solcher Kommunikationsstil weder maskulin noch feminin, sondern eine Mischung aus beidem. Letztlich gibt es mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Allerdings haben es Frauen dennoch etwas schwerer: Wenn sie nämlich gerade nicht dem Klischee entsprechen, wird ihnen das auch wieder negativ ausgelegt – sie gelten dann schnell als distanziert und arrogant. Das Thema souveränes Auftreten ist daher für Frauen noch bedeutender als für Männer, was nicht an den Frauen liegt, sondern daran, wie manche Männer das Auftreten von Frauen – gerade in Führungspositionen – interpretieren.

Welche bekannte Persönlichkeit ist Ihrer Meinung nach ein gutes Vorbild für das Thema Souveränität?

Das Erstaunliche ist ja, dass viele souveräne Persönlichkeiten auf den ersten Blick ganz unterschiedlich wirken. Was sie alle vereint, ist ihr ausgeprägtes Bewusstsein für ihre eigene Persönlichkeit mit all ihren Stärken und auch Schwächen. Ein sehr beeindruckendes Beispiel für eine souveräne Persönlichkeit ist die Pianistin Alice Herz-Sommer, gerade in Anbetracht ihres Schicksals: Im zweiten Weltkrieg wurde ihre Mutter deportiert. Die verzweifelte Pianistin macht daraufhin das Gegenteil von dem, was man erwarten könnte, und beschließt, die für sie selbst denkbar schwierigste Aufgabe in Angriff zu nehmen. Für eine Pianistin heißt das: alle 24 Etüden von Frédéric Chopin einzustudieren, die wohl technisch schwierigsten Klavierstücke überhaupt. Eine gewaltige Aufgabe, die Alice bewältigt und die ihr neuen Mut gibt. Ein Jahr später wird sie dann selbst deportiert, ebenso ihr Mann und ihr erst sechsjähriger Sohn. Dank ihrer starken Persönlichkeit und natürlich der Musik bleiben ihr Wille und ihr Lebensmut ungebrochen. Sie hat sogar genug Kraft, um anderen davon abzugeben: Statt die Hoffnung aufzugeben, ist sie es, die den Mithäftlingen Hoffnung gibt. Diese Stärke behält sie auch nach der Befreiung bei. Mit keiner Silbe hat sie sich jemals in Interviews über andere beschwert. Auf die Frage, ob sie Hass empfinde, antwortet sie: „Hass? Ich habe nie gehasst.“ Was das Leben ihr auch zugemutet hat, sie nahm es an und machte das Beste daraus. Und ihre Souveränität zeigt sich auch in ihrer Kommunikation: Alle, die sie getroffen haben, bleiben nachhaltig von ihrer warmen Ausstrahlung beeindruckt – und davon, wie bescheiden die Pianistin auftritt. Eine ihrer Qualitäten war das Zuhören. Die Pianistin sprach nie sehr viel. Stattdessen fragte sie nach der Meinung ihrer Besucher, gab ihnen Zeit und zeigte wahres Interesse an jedem, der ihr gegenüberstand. Und sie blieb bis ins höchste Alter neugierig (sie wurde 110 Jahre alt). Arroganz und Überheblichkeit waren ihr völlig fremd, dafür zeigte sie umso mehr Einfühlungsvermögen und auch Humor. Sie konnte über sich selbst lachen und nicht verstehen, warum sich die Menschen so wichtig nehmen – meiner Meinung nach ein besonders wichtiger Charakterzug souveräner Menschen.

Was sind die 3 größten Fehler in Bezug auf das Thema Souveränität, die Sie immer wieder im Alltag feststellen?

Da können wir gleich bei der Pianistin bleiben: Sie zeigte weder Überheblichkeit noch Arroganz. Souveränität hat also nicht das Geringste mit Selbstverliebtheit zu tun, dafür umso mehr mit Selbsterkenntnis. Auch denken viele Menschen, dass es zu einem souveränen Auftreten dazugehört, niemals Schwächen zu zeigen. Dabei wissen gerade souveräne Menschen um ihre Schwächen, sie können Fehler eingestehen und natürlich auch Emotionen zeigen. Ein weiteres Missverständnis ist: Es dreht sich nicht alles um einen selbst. Zu einem souveränen Auftreten gehört vielmehr viel Einfühlungsvermögen in die Gefühlswelt und Realität anderer Menschen. Denn nur so können wir adäquat reagieren und zum Beispiel wirkungsvolle Argumente finden.

Haben Sie für meine Leser 2 bis 3 wertvolle Tipps parat, um sich souverän im Alltag zu bewegen?

  1. Versuchen Sie, ein Bewusstsein für Ihre Kommunikation zu entwickeln und dafür, was und wie Sie etwas wirklich sagen. Analysieren Sie auch Ihr Verhalten in persönlichen Gesprächen, gerade dann, wenn unterschiedliche Meinungen aufeinandertreffen.
  2. Übernehmen Sie die Verantwortung für Ihr Handeln beziehungsweise Nichthandeln und für Ihre Entscheidungen. Versuchen Sie nicht, die Verantwortung auf andere oder irgendwelche Umstände abzuwälzen. Das macht Sie unabhängiger und hilft Ihnen, bewusster zu handeln.
  3. Bleiben Sie offen für neue Erfahrungen, für Veränderungen und die Ansichten anderer Menschen. Lehnen Sie nichts einfach nur aus Prinzip ab oder weil Sie etwas nicht kennen. Viele Menschen urteilen viel zu schnell und sogar, ohne einen Sachverhalt überblicken zu können. Was neu, fremd oder anders ist, bereitet schnell Unbehagen. Wer hier jedoch nicht voreilig auf Abwehr schaltet, eröffnet sich selbst eine ganze Reihe – auch für den Beruf – wichtiger Handlungsspielräume.

Wie setzen Sie persönlich selbst Souveränität ein, wenn Sie in einer schwierigen Situation gefangen sind?

Der letztgenannte Punkt hilft mir da sehr: Dass schwierige Situationen im Leben immer wieder auftreten, ist gewiss. An einem solchen Punkt angelangt, versuche ich zuerst, gelassen zu bleiben und mir alle Handlungsmöglichkeiten vor Augen zu führen. Das zeigt mir, dass es nicht nur einen Weg oder wenige Optionen gibt, sondern neben den offensichtlichen Handlungsmöglichkeiten noch eine ganze Reihe mehr. Dabei tritt dann oft auch Unerwartetes zutage. Und selbst wenn ich mich dann für einen offensichtlichen Weg entscheiden sollte, weiß ich dennoch, dass ich diese Entscheidung ganz bewusst und eigenverantwortlich getroffen habe. – Was mir ebenfalls sehr wichtig ist: Ich versuche anderen Menschen mit Wertschätzung zu begegnen. Das erleichtert das Miteinander und vermindert negative Entwicklungen oft schon im Vorfeld.

Ihr jüngstes Buch mit dem Titel „Unternehmer-Souveränität“ überträgt die persönliche Souveränität auf Selbstständige, Freiberufler und Unternehmer. Was hat Sie dazu bewogen, den Begriff Souveränität ganz konkret auf Unternehmer anzuwenden?

Genau genommen bildet dieses Thema bereits seit vielen Jahren einen Schwerpunkt meiner Arbeit. Insbesondere beim Coaching von Freiberuflern und Selbstständigen erfuhr ich immer wieder, dass das Thema Souveränität für Unternehmer einige Besonderheiten aufweist. Denn das Unternehmerdasein bringt spezielle Anforderungen mit sich und das Selbstverständnis des Unternehmers spielt eine zentrale Rolle für die Unternehmung. Bei meiner Arbeit traten diese Besonderheiten und speziellen Fragestellungen immer mehr in den Fokus, sodass sich die Unternehmer-Souveränität mit der Zeit als wichtiges Thema herauskristallisierte. Es lag also nahe, dieses Thema aufzugreifen und zu vertiefen. 

Können Sie in wenigen Sätzen erläutern, was genau Sie unter Unternehmer-Souveränität verstehen?

Jedes Unternehmen wird von der Unternehmerpersönlichkeit getragen. In den meisten Fällen befassen sich Unternehmer jedoch vorwiegend mit rein geschäftlichen Belangen und weitaus weniger mit sich selbst als Unternehmerpersönlichkeit. Dabei lässt sich das eine nicht vom anderen trennen. Und gerade, wer über lange Sicht ein Unternehmen erfolgreich führen will, braucht Klarheit über beide Aspekte. Deshalb hat auch die Unternehmer-Souveränität zwei Dimensionen: die unternehmerische und die persönliche. Es ist wichtig, die Gesamtheit des unternehmerischen Handelns zu betrachten. Es reicht eben nicht aus, ein finanziell erfolgreicher Unternehmer zu sein. Wem dabei aufgrund seiner Arbeit die persönliche Zufriedenheit oder gar die Gesundheit abhandenkommt, der ist kein souveräner Unternehmer. Gleichzeitig kommt es auf die unternehmerischen Qualitäten an, damit es gelingt, auch in Anbetracht von Druck und Turbulenzen, bei Veränderungen am Markt und ökonomischen Zwängen das Ruder selbst in der Hand zu halten, die richtigen Entscheidungen zu treffen und die eigenen Ziele zu verwirklichen. Das ist für mich Unternehmer-Souveränität. 

41dH0kq3hmL._SX341_BO1,204,203,200_Wer mehr zum Thema Souveränität erfahren möchte, dem kann ich das neue Buch von Stéphane Etrillard „Unternehmer-Souveränität“  empfehlen.

Ich habe ebenfalls die Jubiläumsausgabe „16 Impulse für mehr Souveränitätgelesen und kann Ihnen das Taschenbuch ebenfalls bestens empfehlen.

Herr Etrillard, vielen Dank dass Sie sich die Zeit für das Idee genommen haben.

Herr Etrillard: Frau Pötsch, ich danke Ihnen für die Anfrage und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg mit Ihrer Unternehmer-Souveränität.

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Foto: © PhotoProfilConcept Sylke Gall